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Okt. 2019 - Freigiebig leben

mc diehlJüngerschaft bedeutet, in unserer ganzen Persönlichkeit und mit unserem Verhalten Jesus immer ähnlicher zu werden. Nicht die Angst vor einer Strafe und auch nicht der Wunsch, alles richtig zu machen, motivieren mich dazu. 

Es ist nicht eine Pflicht, es ist ein Wunsch, der mich antreibt. Hinter diesem Wunsch steht die Liebe zu Jesus. Ich sehe ihn in seinem Wort, ich höre ihn in seinem Wort, ich erlebe ihn in meinem Alltag, und ich spüre, es gibt niemanden, der mich mehr liebt. Diese Liebe zu erwidern wird mein Lebensziel, meine Mission. Ich will ihm ähnlicher werden, ihm, meinem Erlöser, meinem Retter, meinem Freund, meiner Liebe. Ihm ähnlicher zu werden, bedeutet, seine Charakterzüge anzunehmen.

Einer dieser Charakterzüge ist seine Freigiebigkeit. Jesus ist einer, der verschenkt. Das ist kein Wunder, denn Jesus ist in einer tiefen Beziehung zu Hause, in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Geist. Es ist eine Gemeinschaft, in der einer den anderen achtet, liebt und sich dem anderen hingibt. So hat der Vater für die Welt seinen Sohn gegeben. Jesus hat seine Herrlichkeit aufgegeben, um Mensch zu werden. Er hat als letztes sein Leben gegeben für uns. Gott ist durch und durch ein Gott, der gerne gibt – bis zum letzten, wenn es sein muss.

Das Erntedankfest erinnert uns daran. Gott ist ein Gott, dessen Freigiebigkeit man mitfühlen kann. In den Geschenken der Schöpfung schmecken und sehen wir die Freundlichkeit Gottes, seinen Charakterzug des Gebens. Der Monatsspruch für den Oktober stammt aus den Apokryphen, also jenen Büchern, die für evangelische Christen nicht zur Bibel gehören, die aber, so Luther, viel geistliche Wahrheit enthalten. Er erinnert uns, dass Freigiebigkeit auch einer unserer Charakterzüge sein soll.

„Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend - gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!“ (Tob 4,8)

Er erinnert uns daran, dass es eine der Grundtugenden der Christen ist, etwas von unserem Besitz zu geben. Unabhängig davon, wie viel wir zur Verfügung haben, sollen wir mutig von dem, was wir haben, anderen geben. Für Menschen, die Jesus so sehr lieben, dass es ihnen eine höchste Freude ist, zu werden wie er, kann es sich dabei aber nicht zuerst und vor allem um Geld handeln. Sie geben von ihrer Zeit, damit andere Menschen getröstet werden, wenn ihnen jemand zuhört, damit die Gemeindearbeit wachsen kann, weil Mitarbeiter da sind. Sie geben ihre Liebe, damit andere Menschen Geborgenheit erleben. Sie schenken Vergebung und halten nicht an ihrem Recht fest, damit andere Menschen erleben, dass Gott ein Gott der Vergebung ist. Der Hebräerbrief formuliert das so:

„Und vergesst nicht, Gutes zu tun und einander zu helfen! Das sind die Opfer, an denen Gott Freude hat.“ (Heb 13,16)

Oft sagen wir uns, dass es kein Risiko ist, Gott etwas von unserem Geld zu spenden, denn er beschenkt uns zurück. Das ist wohl auch nicht falsch, kann aber in einer Liebesbeziehung kein Grund sein, etwas zu tun. Glaube ist keine Rechnung auf Gegenseitigkeit. Glaube ist Liebe, und Liebe rechnet nicht. Liebe geht ein Risiko ein, Liebe bringt Opfer. Soll ich von meiner knapp bemessenen Zeit noch etwas geben, um die Gemeinde zu unterstützen? Soll ich von meiner kleinen Kraft noch etwas in andere Menschen investieren? Der Monatsspruch sagt: Auch dann, wenn du wenig hast, sei mutig und gib etwas davon. Lass dein Leben den Charakter Jesu spiegeln – lebe freigiebig!

 

Michael Diehl

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