Oktober 2017 - Mut

Michael DiehlWenn man zurzeit Nachrichten schaut, dann braucht man gute Nerven. Hurrikane ziehen durch die Karibik und verwüsten Länder und Existenzen. Neu ist das nicht, doch die Größe und Zerstörungsmacht mehrerer dieser Stürme in so kurzer Zeit hat eine neue Qualität,

die wahrscheinlich mit der Erwärmung des Meeres zu erklären ist, sagen die Meteorologen. In Afrika verhungern Menschen wegen der großen Dürre, die seit Monaten herrscht. Die Kontinentalplatten sind in Italien und Mexiko besonders aktiv. Dazu kommen immer mehr Präsidenten und Machthaber, denen es nicht zuerst um das Wohl der Welt, sondern um sich selbst geht. Der Konflikt mit Nordkorea spitzt sich immer mehr zu und scheint unlösbar geworden zu sein, nachdem man sich verbal auf beiden Seiten völlig festgefahren hat. Die Türkei ist auf einem Weg, den man bis vor kurzen kaum für möglich gehalten hat.

Was mich in all diesen Konflikten immer wieder „fasziniert“, ist die Art und Weise des Denkens, die so irrational ist und sich oft nicht erklären lässt. Dies steht im völligen Widerspruch zur Utopie der europäischen Aufklärung, dass mit dem Wissen des Menschen auch seine Vernünftigkeit steigt. Diese Sicht scheint sich immer mehr als ein schöner Traum zu erweisen, der nicht in Erfüllung gehen wird. Was sich auf dem Großen der Weltbühne abspielt, das findet auch im Kleinen statt. Bei uns sind aus Wutbürgern längst Hassbürger geworden, und Hass ist das irrationale Gefühl und Handeln schlechthin. Eine Verrohung der Sprache und des Denkens greift - mittlerweile auch empirisch nachweisbar - um sich und macht deutlich, dass sich etwas verändert.

Ein bisschen erinnert mich das alles an die Worte Jesu aus Matthäus 24: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Hungersnöte und Erdbeben werden bald diese Gegend heimsuchen und bald jene. Doch das alles ist erst der Anfang, es ist wie der Beginn von Geburtswehen. Jesus spricht davon, dass sich die Angst der Menschen am Ende der Zeit immer mehr steigern wird.

Allerhöchste Zeit für uns Christen, ein anderes Lied anzustimmen. „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“, sagt Jesus in Lukas 21, 28. Christen sollten Fremdbürger sein in einer Welt, die immer mehr von ihren Ängsten heimgesucht wird. Sie sollten Fremdbürger des Mutes, der Zuversicht und der Hoffnung sein. Vielleicht leben wir in einer Zeit, von der Jesus sagt: Einige von denen, die das hier hören, werden nicht sterben, bevor ich wiederkomme; wer weiß?

In einer spannenden und sich grundlegend verändernden Zeit leben wir allemal. Doch das soll euch als meine Jünger Grund sein, Mut zu fassen, sagt Jesus. Mut, weil Jesus wiederkommen wird. Mut, weil der die Welt richten und das Böse in seine Schranken weisen wird. Mut, weil dann alles anders und besser werden wird. Mut, weil Gott eine neue Welt schafft für uns, seine Kinder. Was mich aber vor allem beschäftigt, ist ob ich den Mut aufbringe, so mutig zu leben.
Mutig zu leben zeigt sich nicht in meinen Gefühlen, sondern in meinem Handeln. Wenn ich wirklich glaube, dass Jesus bald wiederkommen könnte, wie gehe ich dann mit meinem Leben um? Was sind dann meine Ziele? Wie plane ich? Was ist wirklich wichtig? Welchen Stellenwert sollen Gesundheit und Geld in einem Leben haben, das Mut fasst und zum Himmel schaut, weil sich die Erlösung naht? Was verändert sich in einer Gemeinde, im Miteinander der Generationen, im Haushalt, bei der Motivation der Versöhnung, in ihren Zielen und Prioritäten, wenn wir uns als Volk begreifen, das auf seinen Herrn wartet - und das nicht nur theoretisch.

Wer die Nachrichten schaut, braucht gute Nerven, aber wenn er das alles als Christ ansieht, wird er seine Hände nicht in den Schoß legen oder über dem Kopf zusammenschlagen. Nein, er wird den Fernseher ausschalten und Mut fassen. Er wird sich fragen, ob sich jetzt erfüllt, was Jesus vorausgesagt hat. Er wird die Erlösung anschauen, die auf uns wartet, und Hoffnung schöpfen. Er wird sich fragen: Wie will ich diese Zeit jetzt noch leben, bis Jesus wiederkommt. Was soll mich prägen, welche Werte sollen mich leiten?

Michael Diehl