April 2018 - Heiliger Geist

Michael DiehlEs gibt Dinge, die glauben wir ganz selbstverständlich; sie sind fester Bestand unseres Glaubens. Sie zu hinterfragen, käme uns nicht in den Sinn. Wir halten sie für selbstverständlich. Dann aber gibt es auch Wahrheiten, die glauben wir nicht nur, die vertreten wir auch offensiv.

Wir reden gefragt und ungefragt über die Dinge, die uns beschäftigen und die uns auch wirklich wichtig sind.

Der Heilige Geist gehört nach meinen Erfahrungen eher nicht zu den Themen, über die wir offensiv reden. Wir glauben an ihn zwar als eine selbstverständliche Wahrheit und als eine Tatsache, doch damit scheint es genug zu sein. Wir wissen, dass wir ihn haben; damit begnügen wir uns aber meist. Selten machen wir ihn freiwillig zum Thema einer Andacht oder eines Hauskreises. Selten hört man, dass es unsere Aufgabe sei, uns mehr vom Heiligen Geist erfüllen zu lassen oder nach Geistesgaben zu streben - eine Aufgabe, die Paulus den Christen in sehr direkter Aufforderung nahelegt.

In seinem Buch „Der unterschätzte Gott“ berichtet Francis Chan von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Nicht-Wissen über den Heiligen Geist. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Bibel ganz neu und unvoreingenommen zu lesen und dabei wahrzunehmen, welche Rolle der Heilige Geist im Leben der Christen und der Gemeinde spielt. Ihm ist dabei aufgefallen, wie groß der Unterschied zwischen den Aussagen der Bibel und dem Gemeindeerleben heute ist.

Oft hat man sogar den Eindruck, dass der Heilige Geist etwas ist, das vielen Christen Angst macht. Sie befürchten eher, dass man sich damit irgendwelchen Mächten aussetzt, die man nicht kontrollieren kann, als dass sie sich wünschen, mehr von dieser Kraft im eigenen Leben zu haben. Es mag auch sein, dass das Wort Geist an sich ein Wort ist, mit dem wir nur wenig anfangen können, da es in unserem normalen Sprachschatz nicht wirklich positiv besetzt ist bzw. nur etwas sehr Unkonkretes beschreibt.

In einer Predigt beschreibt A. Tozer das Wesen des Geistes. Er zeigt dabei, dass der Heilige Geist als Teil vom Vater und von Jesus genau dieselben Eigenschaften hat wie diese auch. Er ist ein liebevoller Geist, wie der Vater und der Sohn selbst. Wer sich nach Liebe sehnt, der wird sie durch den Heiligen Geist vermittelt finden. Nicht nur der Vater und der Sohn lieben uns, auch der Geist tut es. Er sehnt sich nach der Gemeinschaft mit uns und nach unserer Beziehung. Er wünscht sich so sehr, uns zu trösten, zu stärken, zu führen und seine Früchte in uns wachsen zu lassen. Wir aber ignorieren ihn häufig - und das wohl aus Unkenntnis.

Paulus schreibt den Thessalonichern: „Legt dem Wirken des Heiligen Geistes nichts in den Weg!“ (1. Thes 5,19). Wir legen dem Heiligen Geist aber auch dann etwas in den Weg, wenn wir ihn nicht wirken lassen, weil wir ihn zwar als eine Tatsache glauben, ihn aber nicht zu etwas machen, das wir offensiv angehen und nach dem wir uns ausstrecken.

In den Gottesdiensten nach Ostern bis Pfingsten wollen wir uns daher noch einmal neu mit der Person des Heiligen Geistes beschäftigen. Wir wollen neu miteinander erkennen, wie er in unserem Leben wirken und handeln kann. Ich hoffe, dass er dann auch ganz neu in mir und in uns allen zum Zug kommen wird. Ich wünsche mir, dass wir zu einer Gemeinde werden, in der Gottes Geist ganz selbstverständlich Teil der Identität und Kraft wird, die uns verändert und in Bewegung setzt.

Michael Diehl