Juni 2018 - Wir sind ein Team

Als Freie evangelische Gemeinde Haiger sind wir ein Team. Gottes Team. Ja, sogar noch enger beschreibt Paulus die Zusammengehörigkeit einer Gemeinde - als Körper Christi und als Tempel des Heiligen Geistes. Das heißt, wir sind nicht einfach ein Team, weil wir beschlossen haben, ein Team zu sein, sondern weil wir Jesus als Herrn anerkennen und den Heiligen Geist in uns haben.

Doch was heißt es, ein Team zu sein? Wenn ich an ein Team denke, kommt mir zuerst der Sport in den Sinn. Verschiedene Menschen, die Teammitglieder, versuchen gemeinsam, ein Ziel zu erreichen: zu gewinnen. Das kann je nach Sportart sehr unterschiedlich aussehen, aber immer ist es dieses Ziel: gemeinsam zu gewinnen. Jeder macht mit und trägt seinen Teil dazu bei.

Mir scheint es, dieser Teil vom Teamsein ist uns in unserer freikirchlichen Prägung sehr vertraut: Jeder macht mit und trägt seinen Teil dazu bei. Und das kommt nicht von ungefähr: So betonten die Freikirchen von Anfang an mit dem Pietismus den persönlichen Glauben - "Auf den kommt es an!" Und wenn jeder persönlich glaubt, hat sich das ja auch in Wort und Tat zu zeigen: Praktisch hieß das besonders die Mitarbeit in der Gemeinde.

In der Zeit der Industrialisierung, als es in den Kirchen der Industriezentren immer unpersönlicher wurde – in der reformierten Gemeinde in Elberfeld kamen z. B. auf 22 000 Mitglieder nur vier Prediger – und die Kirche damit auch stärker auf das Pfarramt bezogen wurde, setzten christliche Vereine und die später daraus entstehenden Freikirchen einen Gegenakzent: Die Gemeinde wurde hauptsächlich von den „Laien“ getragen.

In meiner Jugendzeit arbeitete in meiner Heimatgemeinde gefühlt jeder irgendwo irgendwie in der Gemeinde mit. Es gehörte halt dazu. Du hast dort mitgearbeitet, wo Not an Frau oder Mann war, und manchmal auch einfach dort, wo es dir Spaß machte. Die Mitarbeit aller war teilweise sogar ein propagiertes Unterscheidungsmerkmal zur Landeskirche, wo doch nur wenige Engagierte mitarbeiteten. So die Sicht damals.

Doch dabei wird häufig übersehen, dass in den Bildern „Körper Christi“ und „Tempel des Heiligen Geistes“ noch mehr steckt. Wir sind nicht nur ein Team, wir sind eine Gemeinschaft, durchflutet von dem einen Geist. Und wir sind unterschiedlich. Der Bizeps macht nicht die Arbeit des Trizeps – und umgekehrt, obwohl beide die Fähigkeit haben sich anzuspannen. Aber – und das macht den Unter- schied! – sie arbeiten zusammen. Sie bringen sich beide ein mit dem, was sie können, an der Position, wo sie sich befinden - jeder mit dem, was er hat.

Übertragen auf die Gemeinde fällt mir auf, dass das Bild „Körper Christi“ gerade im Zusammenhang mit den Geistesgaben benutzt wird. Dieses Thema haben wir in den Predigten in den letzten Wochen intensiv aufgegriffen. Die Mitarbeit in der Gemeinde richtet sich nach den Gaben, die man hat, und der Position, in der man sie einbringen kann. Man wird als ganze Person als Teil dieses Körpers Christi betrachtet – und als solcher Teil bringt die Person sich so in die Gemeinde ein, wie nur sie selbst es kann. Das war bei der Beschäftigung damit für mich neu: Sich als Person mit seinen Gaben, Neigungen und Fähigkeiten so einzubringen, wie ich nur selbst es kann. Nicht nur dort, wo jemand gebraucht wird. Erst bei der intensiven Beschäftigung mit diesem Thema ist mir das so bewusst geworden.

Der positive Effekt des Gabenthemas vor ein paar Jahren in der FeG Haiger war, so wurde mir berichtet, dass man vor allen Dingen erstmal wusste, was man nicht machen musste. Weil es nicht zu einem passt. Das ist ein guter Anfang. Nun ermutige ich dazu, dort mitzuarbeiten, wo ich mich als Person mit meinen Gaben und Fähigkeiten einsetzen kann. Nutze es gerne, dass die FeG Haiger gerade über das Thema Gaben nachdenkt, um dir Impulse zu holen, wo du dich einbringen kannst. Ich bin überzeugt, jeder kann sich als Person mit seinen Gaben und Fähigkeiten einsetzen. Das heißt nicht, dass alles glatt läuft, aber es heißt, dass du an der Position im Team bist, wo du am besten spielen kannst. Diese Position kann sich natürlich im Laufe des Lebens verändern, ebenso wie die Gemeinde und ich. Aber ich ermutige dazu: Überlege dir, wo du in diesem Team mitspielen kannst und wie du dich mit anderen vernetzen kannst, damit deine Arbeit nicht ins Leere läuft.

So wünsche ich euch eine gute Sommerzeit und aufregende Erlebnisse im unserem Team, der FeG Haiger.

Michael Winarske